Verteidigt die Grundrechte

Redetext von Maria von den OMAS GEGEN RECHTS Tübingen bei der Kundgebung für Zusammenhalt, Respekt und Verantwortung am 23. November 2025 in Hechingen.

"Liebe Freundinnen unserer liberalen Demokratie, liebe Verteidigerinnen der Menschenrechte,

dieses Jahr haben wir ein Jubiläum gefeiert, das schon wieder ganz in den Hintergrund gerückt und aus den Feuilletons und Veranstaltungskalendern verschwunden ist. Ich spreche vom Bauernkrieg vor 500 Jahren, und ich spreche insbesondere von den 12 Artikeln der Bauernschaft in Schwaben.

Diese zwölf Artikel enthalten schlichte Lebens- und Überlebensforderungen an die
Herren des Schwäbischen Bundes. Sie gehören zu den großen europäischen Dokumenten der Forderung nach Menschen- und Freiheitsrechten. Es sind bescheidene Forderungen nach Glaubensfreiheit, nach Aufhebung der Leibeigenschaft, nach einem einfachen menschenwürdigen Leben. Sie sind eine der Grundlagen der Deklaration der Menschenrechte und damit eine Grundlage unserer Verfassung.

Warum erwähne ich das hier und heute? Eine durch und durch menschenrechts- und verfassungsfeindliche Partei hält wenige Meter von uns ihren Landesparteitag ab. Eine Partei, die ganzen Menschengruppen das Recht abspricht, bei uns zu leben, sich in unsere Gesellschaft einzubringen, in ihrer Vielfalt dazuzugehören und die Prozesse unserer freiheitlichen Demokratie mitzugestalten. Eine Partei, welche die vor 500 Jahren erhobenen Forderungen nach Menschen- und Freiheitsrechten für alle bestreitet. Eine Partei, in der laut davon gesprochen werden kann, auf Geflüchtete an unseren Grenzen zu schießen – auch auf Kinder. Eine Partei, die den schrecklichsten Jahren der Geschichte unseres Landes mit Achselzucken gegenüber steht. Eine Partei, die behauptet, für die kleinen Leute einzustehen, in Wahrheit aber ihre Rechte schwächen will.

Wir Omas gegen Rechts sind die Töchter der Kriegsgeneration. Wir haben beklommen den Auschwitzprozess mitverfolgt und die Abgründe, die offenbar wurden. Wir erlebten die sogenannte „Schlusspunktdebatte“, die jetzt wieder unbefangen geführt wird. Wir haben die Sprache der Nazis im Ohr. Denn die Nazis waren ja 1945 nicht einfach weg. Sie waren unsere Eltern, unsere Lehrer, unsere Politiker. Wir haben ihre schreiende Sprachlosigkeit erlebt.
Wir haben das Gemurmel erlebt, das verstummte, wenn wir Kinder dazukamen. Als Erwachsene haben wir gelernt, das Gehörte und das nicht Gehörte zu entziffern, und wir sind überzeugt: das Verstandene und Entzifferte laut weiterzusagen, das ist unsere Aufgabe. „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, dichtete Bert Brecht, und wir erleben es heute.

Zusammen mit vielen zivilgesellschaftlichen Gruppierungen treten wir daher auch hier und heute gegen die AfD und für die Unantastbarkeit der Menschenwürde jedes einzelnen Individuums ein, und ebenso für unsere freiheitliche Demokratie.

An diesen Grundwerten unbeirrt festhalten – das ist nicht einfach in unseren krisenhaften Zeiten. Die Verführung, den Kopf in den Sand zu stecken, Wünschen nach der angeblich guten alten Zeit nachzuhängen, unbelegte Behauptungen für Wahrheit zu nehmen,
über fragwürdige politische Entscheidungen nicht zu verzweifeln, ist groß.

Aber: gäben wir nicht uns selbst auf, wenn wir das täten? Verschleudern wir da nicht ein 500 Jahre altes schwäbisches Erbe, auf das wir sehr stolz sein können? Nein – das werden wir nicht tun. Wir alle hier und heute wollen und werden mit Freude und Kreativität, mit aufmerksamem Respekt und bunten Ideen dem blaubraunen Treiben entgegentreten, hier in Hechingen und im ganzen Land. Tun wir alles dafür, dass man das merkt am 8. März!

Vielen Dank!"



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