Vernetzungstreffen der OMAS GEGEN RECHTS zum Thema Zwangsarbeit

Mehr als 230 Kinder von Zwangsarbeiterinnen sind zwischen 1943 und 1945 in Stuttgart ums Leben gekommen. Wie das noch kaum erforschte Thema Zwangsarbeit aufgearbeitet und vermittelt werden kann, stand im Mittelpunkt bei einem landesweiten Vernetzungstreffen der OMAS GEGEN RECHTS in Stuttgart – in Kooperation mit der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber.

Mit zunehmender Kriegsdauer wurde die Zwangsarbeit für die Kriegswirtschaft immer wichtiger, sagte die Historikerin Sonja-Maria Bauer in ihrem Impulsvortrag. Neben Kriegsgefangenen verschleppten die Nationalsozialisten immer öfter auch Zivilist*innen und zwangen sie zur Arbeit in Fabriken und in der Landwirtschaft, auf dem Bau oder auch in Privathaushalten. Der Arzt und Autor Karl-Horst Marquart hat dokumentiert, wie 10- bis 14-Jährige für das Stuttgarter Tiefbauamt schuften mussten, wie schwangere Zwangsarbeiterinnen und Kleinkinder in den Lagern vernachlässigt wurden und wie die städtische Klinik an diesen Verbrechen mitwirkte. Er initiierte die Verlegung von Stolpersteinen für die Kinder und von Stolperschwellen, die den Standort ehemaliger Lager sichtbar machen. Der Journalistin Gabriele Finger-Hoffmann haben sich die Bilder der ausgehungerten  Männer eingeprägt, die Tag für Tag an ihrem Elternhaus vorbeizogen und denen die Kinder heimlich Brote zuwarfen. Nach der Befreiung bedankte sich ein Überlebender bei ihrer Mutter mit einer Brosche, die er aus einem Löffel gefertigt hatte. Wie Erinnerungsarbeit aussehen kann, berichtet Gabriel Stängle. Mit seinen Schülern hat der Realschullehrer aus dem Nordschwarzwald die Geschichte des eigenen Ortes erkundet.  

Gründerinnen des Vereins OMAS GEGEN RECHTS Deutschland e.V.

Bei den OMAS GEGEN RECHTS spielt die Erinnerungskultur eine wichtige Rolle. „Auch mit Blick auf die Landtagswahl wollen wir der Verharmlosung der Nazizeit entgegentreten und deutlich machen, wie es aussah, als die Nationalsozialisten die Demokratie und Menschenrechte abschafften“, sagt Anna Ohnweiler, Gründerin und Vorsitzende der OMAS GEGEN RECHTS Deutschland e.V. „Auch heute werden gerade Erinnerungs- und Gedenkstätten von Rechtsextremen angegriffen. Die Erinnerungen an Nazi-Deutschland stören diese Menschenverächter, denn sie stellen deren völkisches Narrativ von ,großartigen Ariern‘ in Frage.“
Am Nachmittag diskutierten die über 80 Teilnehmer*innen  in mehreren Arbeitsgruppen über ihre Arbeit und neue Projekte. Zum Abschluss wurde dann noch ein wenig gefeiert: am 27. Januar 2018 hatte Anna Ohnweiler eine Facebook-Gruppe gegründet, inspiriert von den OMAS GEGEN RECHTS in Österreich. Daraus ist inzwischen eine große Bewegung geworden. Allein in Baden-Württemberg gibt es mittlerweile in mehr als 40 Städten Gruppen der OMAS GEGEN RECHTS.