Ausstellung: „UnHeil in Weil“

Die Sonderausstellung „UnHeil in Weil – Eine Kleinstadt unterm Hakenkreuz“ im Stadtmuseum Weil der Stadt zeigt eindrücklich, wie schnell sich der Nationalsozialismus auch in einer kleinen, ursprünglich unauffälligen Gemeinde etablieren konnte. Zwei Jahre lang recherchierte eine Museumsgruppe des Heimatvereins intensiv in Archiven und historischen Quellen, um die lokalen Entwicklungen der NS-Zeit aufzuarbeiten.

Vor 1933 war Weil der Stadt mit rund 2000 Einwohnern keine Hochburg der NSDAP, sondern eine katholisch geprägte Kleinstadt mit wirtschaftlichen Problemen. Doch nach der Reichstagswahl im März 1933 gewann die NSDAP vor Ort stark an Zustimmung: Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Mitgliederzahl von elf auf mehrere hundert an. Parallel dazu wurde durch politische Maßnahmen wie die Gleichschaltung das demokratisch gewählte Gemeindegremium ersetzt. Parteien wie SPD und KPD wurden verboten, und der Gemeinderat wandelte sich rasch zu einem von Nationalsozialisten dominierten Organ.

Die Ausstellung zeigt anhand von Plakaten, Dokumenten und einem begleitenden Film nicht nur die politischen Veränderungen, sondern auch die gesellschaftlichen Mechanismen hinter dieser Entwicklung. Im Fokus steht die Frage, wie scheinbar unauffällige Bürger Teil eines autoritären Systems werden konnten. Dabei werden auch konkrete lokale Akteure und ihre Funktionen benannt, ohne jedoch vorrangig individuelle Schuldzuweisungen zu treffen.

Die Initiatoren sehen die Ausstellung auch als Beitrag zur Gegenwart: Angesichts eines erstarkenden Rechtsextremismus soll sie sensibilisieren und die Folgen politischer Radikalisierung verdeutlichen.

Angesehen werden kann die Ausstellung im Heimatmuseum immer sonntags zwischen 14:00 und 17:00 Uhr. (bi)

siehe auch: Heimatverein Weil der Stadt, Stuttgarter Zeitung