Ein Vortrag von Gudrun Greth der Stolpersteininitiative Stuttgart-Ost
„ Meine Herren, was wollen sie von mir? Ich bin eine Tote und Tote sprechen nicht mehr“ Ein Satz der Widerstandskämpferin Lilo Herrmann gegenüber einem Staatsanwalt der Nationalsozialisten bei einem Verhör in Berlin. Angeklagt war sie wegen „ Landesverrats, begangen in Tateinheit mit Vorbereitung zum Hochverrat“* Die Faktenlage zu dieser Anklage war äußerst dürftig, weswegen man hier von einem Willkürurteil sprechen kann.
Verraten hat sie niemanden von ihren politischen Mitstreitern, deren Todesurteil sie damit riskiert hätte, auch nicht unter den peinlichen und perfiden Verhören der Nazi-Schergen.
Nach einem Vortrag von Gudrun Greth (Stolpersteininitiative Stuttgart-Ost, am 23.6. 26 im AWO Zentrum Stuttgart-Ost) über Lilo Herrmann, und dem Lesen weiterer Literatur* unser persönliches Resümee über das Schicksal von Lilo Herrmann:
Von Weggefährten, ja sogar von einer Gefängnisbediensteten des NS wird Lilo Herrmann als warmherziger, aufrichtiger Mensch beschrieben, die über eigene Grenzen hinaus loyal gegenüber Mitstreitern des Widerstands war. Eine junge Frau, die sich so sehr eine bessere Welt und ein gutes Leben für alle Menschen wünschte.
Durch die Standhaftigkeit und Unerschrockenheit mit der sie ihre Menschenwürde und das Leben anderer schützte wurde sie zur Zielscheibe der Nationalsozialisten.
Trotz europaweiter Proteste und einem Gnadengesuch der Eltern gegen das Todesurteil (dass von Hitler persönlich abgelehnt wurde!) bestanden die Nazis darauf diese Frau zu vernichten. Ein Femizid, könnte man sagen, aus nichtigen Gründen eine Frau mit Rückgrat ermordet, organisiert vom NS Regime.
Und das Furchtbarste: Viele dieser Nationalsozialisten konnten nach dem 2. Weltkrieg, in der jungen Demokratie der BRD unbehelligt im deutschen Justizsystem Karriere machen.
Die Geschichte von Lilo Herrmann sagt viel aus über die Ideologie und Geisteshaltung von Nationalsozialismus, Faschismus und Extremismus, darüber wie tief Menschen, die dieser politischen Richtung folgen, unmenschlich und grausam werden können.
Die einzige Lehre daraus ist also: immer und immer wieder an das „Nie wieder“ zu erinnern und zu verhindern, das Menschen erneut Macht in unserem Land bekommen, die willkürlich über andere herrschen wollen.(cs)

