Der Aktivist und Autor Jakob Springfeld, der in Zwickau aufgewachsen ist, war am 26. August 2026 zu Gast bei den OMAS GEGEN RECHTS Wendlingen-Köngen. Das Interesse an der Veranstaltung war überwältigend. Die Organisatorinnen konnten den Ansturm kaum bewältigen. Rund 130 Besucherinnen und Besucher kamen ins Johannesforum und lauschten gespannt, als Springfeld mit seiner Lesung begann.
In seinem Buch „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ berichtet der 24-Jährige von seinen persönlichen Erfahrungen und gibt Einblicke in eine Lebensrealität, die vielen Menschen im Westen noch immer wenig bekannt ist. Als junger Ostdeutscher setzt er sich konsequent gegen Rechtsextremismus und für den Erhalt der Demokratie ein.
Seine Botschaft ist unbequem, aber notwendig: Die Krise der Demokratie sei längst kein ostdeutsches Sonderproblem. Auch im Westen gebe es Entwicklungen, die Anlass zur Sorge bereiten. Springfeld verwies unter anderem auf Erfahrungen aus Schulen und Gespräche mit Lehrkräften. Rechtsextreme Einstellungen seien dort teilweise präsent, würden aber nicht immer auf den ersten Blick sichtbar.
Besonders gefährdet sieht Springfeld den ländlichen Raum. Die extreme Rechte versuche gezielt, dort Strukturen aufzubauen und Einfluss zu gewinnen. Auch strategische Überlegungen der AfD zur politischen Arbeit in Dörfern zeigten, dass dieser Bereich nicht unterschätzt werden dürfe.
Demokratie darf nicht anderen überlassen werden
Springfelds Appell richtete sich deshalb an alle: Demokratie darf nicht anderen überlassen werden. Es brauche Menschen, die sich vor Ort engagieren – in der Stadt ebenso wie auf dem Dorf. Dabei dürften sich Ost und West nicht gegeneinander ausspielen lassen. „Gemeinsam“ müsse der Weg für eine demokratische Gesellschaft gegangen werden.
In der westdeutschen Öffentlichkeit wird das Erstarken der extremen Rechten noch immer häufig als Problem des Ostens wahrgenommen. Doch ein Blick auf die politischen Entwicklungen und Wahlergebnisse zeigt, dass diese Sichtweise zu kurz greift. Auch im Westen gewinnen rechtspopulistische und rechtsextreme Positionen zunehmend an Zustimmung – bei den Landtagswahlen im März 2026 erhielt die AfD in Baden-Württemberg 18, 5 Prozent, in Rheinland-Pfalz 19,5 Prozent der Wählerstimmen.
Springfelds eindringlicher Appell an die Zuhörerinnen und Zuhörer lautete daher: Nicht wegschauen, nicht verharmlosen und nicht darauf warten, dass andere handeln. Demokratie lebe davon, dass Menschen Haltung zeigen, Verantwortung übernehmen und sich einmischen.
Die anschließende Diskussion machte deutlich, wie sehr das Thema die Besucherinnen und Besucher bewegte. Es wurden Fragen gestellt, Erfahrungen ausgetauscht und unterschiedliche Sichtweisen diskutiert.
Für die OMAS GEGEN RECHTS Wendlingen-Köngen war der Abend ein wichtiger Beitrag, um miteinander ins Gespräch zu kommen und den Blick für die Gefahren zu schärfen, denen die Demokratie ausgesetzt ist. Der große Zuspruch zeigte zugleich: Das Interesse daran, sich mit diesen Entwicklungen auseinanderzusetzen und gemeinsam für Demokratie einzustehen, ist groß.



