Erinnerung an 75 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention

Am 28. Juli 1951 wurde die Genfer Flüchtlingskonvention verabschiedet. Sie begründete das internationale Flüchtlingsschutzrecht. Daran möchten wir heute erinnern.

Das Abkommen ist aus den schrecklichen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs entstanden, um Menschen, die um ihr Leben fliehen, Schutz zu garantieren. Schätzungsweise 500 000 Verfolgte und Entrechtete flüchteten ab 1933 aus Deutschland und Österreich vor den Nationalsozialisten in das Ausland. Davon zu 80 bis 90 Prozent Menschen mit jüdischer Herkunft. Am Ende des 2. Weltkrieges verloren Millionen Menschen ihre Heimat. Mehr zu Krieg, Flucht und Vertreibung hier.

Die Geschichte dieser gewaltigen Fluchtbewegung hat Wolfgang Benz erforscht.

Einer der Geflüchteten war Bertold Viertel, 1885 in Wien geboren, Schriftsteller, Dramaturg, Essayist, Film-und Theaterregisseur. Er arbeitete in Berlin und musste wegen seiner jüdischen Herkunft gleich 1933 fliehen. Heute hat er ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof in Wien. Von ihm stammt das folgende Gedicht:

Auswanderer

Wer liebt es, zu packen? Die Siebensachen
In ein Bündel zu schnüren wie ein Jude,
Ächzend sich auf den Weg zu machen.
Wo finden wir eine neue Bude?

Unsere Götter zurückzulassen,
Die nichts im neuen Lande gelten!
Auch dort ist mit den Leuten nicht zu spaßen,
In dieser wie in allen Bürgerwelten.

Aus: „Schlaflosigkeit“, 1939 bis 1945, Hrsg. K. Kaiser, Wien Verlag für Gesellschaftskritik 1994, S. 310 (Typoskript im Deutschen Literaturarchiv, Marbach am Neckar)

Die Holocaustüberlebende Margot Friedländer erinnert sich: „Mutti hat sehr versucht, sie wollte sich für Amerika registrieren, denn wie die Tante Papiere geschickt hat aus Brasilien und sie zum Konsulat gegangen ist, hat man die Papiere angeguckt, hat gesagt ihre Schwester ist an einen Schwindler gekommen. Sind keine echten Papiere. Wir hatten nur noch zum Schluss eine Chance nach Shanghai zu gehen. Mein Vater hat es nicht erlaubt. Er hat gesagt ,Was willst Du mit zwei Kindern in Shanghai? Verhungern kannst Du auch in Berlin.‘ Seit Kriegsbeginn ist die Zahl der Flüchtenden drastisch gesunken. Die Verfolgten müssen bleiben – auch, weil sich viele Länder weigern, Juden aufzunehmen.“ (cs)

ZDF/Terra X/Leonie Schöler/Julia Geiß/Michael Fandel/Benjamin Leng/Margot Friedländer Zeitzeugin

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